Fragen, die nur bedingt klüger machen

Eine irritierende Weisheit von altklugen Pädagogen und wahrnehmungsverzerrten Eltern lautet da: „Es gibt keine dummen Fragen – nur dumme Antworten!“. Das mag bei Miss Schweiz-Kandidatinnen vielleicht zutreffen. Ob das sonst auch gilt, darf bezweifelt werden. Von denen, die diesen Spruch immer noch locker auf den Lippen haben, wünsche ich mir kluge Antworten auf folgende Fragen:

„Unsere Lehrerin hat gesagt, wir sollen ihr eine Postkarte schicken. Da habe ich eine Karte und hier einen Zettel mit dem Text. Wo soll ich das jetzt hinschreiben?“,  „Ich hätte gerne eine Einfrankenmarke. Was kostet das?“,  „www.quelle.ch genügt nicht als Adresse, wenn ich das zurückschicken will? Aber ich habe die Ware doch im Internet bestellt!“, „Welche Adresse soll ich auf den Brief schreiben? Die von ihm oder die von mir?“, „Ich kann mit meinem Handy nicht mehr telefonieren. Warum ist das Guthaben leer, obwohl ich es die ganze Nacht an der Steckdose hatte?“

Wer sich die Mühe nehmen möchte, herauszufinden, ob Fragen dieser Art berufespezifisch seien, dem empfehle ich ein Gespräch mit einem Polizisten („Bin ich jetzt hier in Deutsch-Basel oder Schweiz-Basel?“), einem Apotheker („Kann man dieses Zäpfchen auch oral anwenden? Das andere ist so unangenehm!“), einer Krankenschwester (Woher weiss das Schmerzmittel, wo es mir wehtut?“) oder einem IT-Spezialisten („Ich habe dieses Programm aus dem Internet heruntergeladen, aber ich brauche es gar nicht. Kann ich es irgendwie zurückgeben?“)

Es ist also mitnichten so! Es entsteht der Eindruck, dass die Hemmschwelle Fragen dieser Art stellen, am sinken sei. Es besteht ja auch gar keine Notwendigkeit mehr, erst selbst mal versuchen nachzudenken! Vielleicht ist das auch gar nicht so verwunderlich angesichts der vielen wertvollen und schützenden Hinweise, die uns das Überleben im Konsumdschungel sichern sollen:

Plastiktasche: Nicht über den Kopf ziehen – Erstickungsgefahr!

Kaffeemaschine: Darf nicht unter Alkoholeinfluss bedient werden!

Spazierweg am Bach in der Nähe: Vorsicht nach lang anhaltenden Niederschlägen -  Hochwassergefahr!

Bushaltestelle mitten im Winter: Vorsicht an der Haltestelle! Rutschgefahr wegen Schneefalls!

Tiefkühl-Lasagne: Plastikfolie vor dem Backen entfernen!

Sicherheitshinweis an einem Spielzeug: Vorsicht! Kleinteile können von Kindern in die Nase gesteckt werden!

Kondome: Zum einmaligen Gebrauch bestimmt!

Abfallsack: Zugband nach Befüllung sorgfältig zusammenziehen und verknoten!

JA, WAS DENN SONST??!

Unglaublich, aber wahr:

Vertreter derselben Spezies fliegen in den Weltraum, spalten Atome, bauen Teilchenbeschleuniger, Gezeiten-Kraftwerke, Satelliten und haben Elastikband, Taschenmesser und Schnürsenkel erfunden!

Darf man jemanden Zwangsernähren?

Was darf der Staat und was darf er nicht?

Eigentlich wollte ich nicht über dieses Thema schreiben. Aber das “Wort zum Sonntag” hat mich dann umgestimmt. Da ich mich ernsthaft frage, wie man eine Entscheidung befürworten kann, die absolut gegen den Willen einer (geistig gesunden) Person ist.

Es geht um den Hanfbauer Rappaz, er wurde wegen Anbau und Handel von Hanf für eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten verurteilt. Als Protest gegen dieses Urteil, ging Herr Rappaz in einen Hungerstreik. nach 100 Tagen im Hungerstreik wurde er in das Inselspital in Bern verlegt.

Danach kam eine grosse öffentliche Debatte ob man ihn Zwangsernähren soll. Ich fragte mich damals schon warum hier debattiert wird. Meiner Meinung nach sollte eine solche Entscheidung von einem “Patienten” jederzeit respektiert werden.

Die Ärzte vom Inselspital haben sich allerdings geweigert Herrn Rappaz gegen seinen Willen zu ernähren – dadurch sah sich Regierungsrätin Esther Waeber-Kalbermattendoch noch gezwungen und Herrn Rappaz bekam “Hausarrest”. Das bedeutet er darf wieder zuhause leben.

Die Fragen die sich mir hier stellen sind, warum soll jemand zwangsernährt werden der das gar nicht möchte? Und warum bekommt man eine Haftstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten für Hanfanbau?