…in the middle of nowhere…

Das Wort „Mittelstand“ ist so etwas wie der Passepartout–Schlüssel des Hausmeisters einer riesigen Wohnbausiedlung – für Politiker!

Sprechen PolitikerInnen von links bis rechts über oder zum „Mittelstand“, fühlen sich fast alle angesprochen, die sich irgendwo zwischen Sozialhilfe und Abgeltung in Aktienpaketen bewegen.
Tricky!

Die Zielgruppe können kleinere Unternehmer, Staubsauger- und Versicherungsvertreter auf Provisionsbasis, Angestellte in festem Arbeitsverhältnis, mittelgrosse Unternehmer, Handwerker, versorgte Hausfrauen, AkademikerInnen, ideenproduzierende Startupper, Haushalthilfen, die sich mit mehreren Jobs über Wasser halten, und beinahe alle anderen sein.

Jeder/r zählt sich zum Mittelstand, der/die das Wort fehlerfrei zu buchstabieren vermag – obwohl noch nie jemand den Begriff ernsthaft definieren konnte und wollte.
Wo mal „Liebe Bürgerinnen und Bürger“ am Anfang der Rede stand, wird nun der Mittelstand beschworen.
Steuersenkungen für Reiche, Verzicht auf Erbschaftssteuern, Abbau der Sozialwerke, Kürzungen von Versicherungsleistungen – alles geschieht zu Gunsten des Mittelstandes!
„Mittelstand“ hat etwas kultisches und rückt das Individuum mitten in seine Gesellschaft. Vermutlich.

In der eisigen Antarktis ist den Pinguinen am wärmsten, die sich in der Mitte der dicht gedrängten Gruppe aufhalten dürfen. Sie können sich dafür nicht mehr bewegen.

Politische Mitte ist dort, wo man sich nicht entscheiden mag, ob man den ethikfreien Neoliberalismus als radikalste Form des Kapitalismus gutheissen oder nur pragmatisch hinnehmen und gleichzeitig Familienpolitik betreiben, witschaftlich orientiertes Umweltbewusstsein oder altertümliche religiöse Werte vertreten will.
Die Mitte der Herde ist dort, wo der Platz sehr, sehr eng ist…
Dort lassen sich seine volksfernen Interessen auch am besten verstecken.

Der grösste Gefallen, den die Selbsternannte Volkspartei der FDP tat, war wohl, diese weit rechts zu überholen. Nur so ist es erklärbar, dass die FDP seit Jahren ganz selbstverständlich als Mittepartei bezeichnet wird – was doch einigermassen absurd ist.

Wie FDP-Nationalrat Philipp Müller (AG) mal festhielt: „Ich möchte nicht, dass meine Partei nur als
Geldsack-Partei wahrgenommen wird!“:

Als was denn sonst???

Ein kleiner Schritt für mich



Grauer Himmel
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Eines Abends komme ich etwas später als gewohnt nach Hause. Zwar wartet wohl meine Frau schon seit längerem mit dem Abendessen auf mich, doch das Feierabendbier mit meinen Freunden war mir wichtiger. Wobei: es waren wohl eher mehrere Feierabendbiere. Zumindest sagt mir das die leicht verschwommene Sicht und mein etwas unsicherer Gang.

Ich schliesse die Tür zu unserer Wohnung auf und werde bereits erwartet: im Gang steht meine Frau, die mich mit einem vorwurfsvollen Blick ansieht und meint, dass ich etwas spät dran sei und das Essen nun leider schon kalt sei. Ihr Blick stört mich und senkt meine Laune bereits um etliche Stufen. Wie ich es hasse, wenn sie mich so ansieht. Tausend Vorwürfe scheinen aus ihren Augen zu sprechen. ‘Er hat wieder getrunken’, ‘Er meldet sich ja nie’ und ‘Seine Arbeitskollegen sind ihm wichtiger als ich’ sind nur einige davon.
Schon leicht genervt entgegne ich ihr, dass ich länger arbeiten musste und dann in der Bar die Zeit etwas aus den Augen verlor. Auf ihre Frage, ob ich wieder ein Bier zuviel getrunken hätte zucke ich nur mit den Schultern.

Sie dreht sich wortlos um und beginnt, geräuschvoll den Tisch abzuräumen. Hunger habe ich sowieso keinen mehr und bei dieser Stimmung vergeht mir der Rest von Appetit. Ich laufe ins Bad und leere erst einmal meine vom Bier gefüllte Blase. Das Geklirr von Geschirr klingt bis hierher. Oh, wie sie mich wütend macht! Dabei ist das genau ihr Ziel! Jedes Klirren trieft vor Vorwürfen und unterdrücktem Zorn. Ich fühle, wie sie innerlich auf mich herabsieht und sich für etwas Besseres hält. Wütend drücke ich auf die Spülung der Toilette und marschiere ohne die Hände zu waschen aus dem Bad, direkt in die Küche. Ich schleudere ihr meine ganze Wut ins Gesicht. All die angestauten Gefühle, die ihre Vorwürfe in mir auslösen, schleudere ich ihr konzentriert ins Gesicht.
Sie steht nur wortlos da und blickt mich mit unverhohlener Abneigung an. Dann, auf einmal, schreit sie los. Was ich für ein Ekel sei, ein versoffener Schweinehund, ein liebloser, widerwärtiger Dreckskerl. Bei diesen Worten steht sie so nah vor mir, dass ich die wütenden Blitze aus ihren Augen förmlich spüren kann. Ihr Gekeife macht mich noch zorniger. Ihre Nähe stört mich und ich schubse sie weg von mir. Voller Wut greift sie zu einer Pfanne und schleudert sie nach mir. Ich ducke mich weg und laufe aus der Küche. Oja, es reicht endgültig. Ich hasse sie, ich verabscheue sie. Ein Leben ohne sie wäre ein Traum, mit ihr bleibt nur noch die Hölle. Und ein Plan entsteht vor meinem inneren Auge. Verfolgt von ihrer wütenden Stimme gehe ich zum Wandschrank im Gang. Ich sehe sie bereits mit einem Küchenbrett auf mich zu kommen, die reine Mordlust in ihren Augen. Ich greife in den Schrank und nehme etwas heraus. Im Regal obendrüber, ganz hinten, findet meine suchende Hand das ersehnte Objekt. Länglich und quaderförmig, aus Plastik, mit metallischem Inhalt.

Ich schliesse den Schrank. Da sieht sie, was ich in der Hand halte. Ihre Augen weiten sich, ihre Hand mit dem Brett senkt sich. Sie stottert entsetzt und fragt mich, was das solle. Ob ich den Verstand verloren hätte. Ich höre ihre Worte nicht, ich höre nur noch ihr Gekeife und ihre Beleidigungen von vorhin. Ein widerwärtiger Dreckskerl, ein versoffener Schweinehund sei ich. Oh, ich werde ihr zeigen, wie widerwärtig ich sein kann. Ich lasse das Plastikobjekt einrasten und hebe den Lauf meines Sturmgewehrs. Wie im Schlaf lege ich die Waffe an und entsichere sie.
Die Alte beginnt zu stammeln und zu weinen. Sie fleht mich an, die Waffe wegzulegen und vernünftig zu sein, doch ich höre sie nicht. Das Blut pulsiert vor Zorn in meinen Adern und lässt mich nur noch ein rythmisches Pochen in den Ohren hören.
Ich drücke ab.

Endlich frei, jubiliere ich. Endlich höre ich nicht mehr ihre Vorwürfe, ihre Wut, ihr Gekeife. Natürlich trank ich etwas zuviel in letzter Zeit, natürlich war ich nicht der liebevollste Ehemann. Minute um Minute verrinnt, während ich nur so da stehe, mit der Waffe in der Hand. Ich begutachte den sich rot färbenden Teppich. Leblos liegt sie da.

Etwas zerbricht in mir. Ich blicke auf den Lauf der gesenkten Waffe. Schwer zieht sie an meiner Hand. Der eigentümliche Geruch eines abgefeuerten Schusses hängt in der Luft. Angewidert lasse ich das Gewehr auf den Boden fallen.

Ich erwache wie aus einer Trance, der Blutdruck auf Normalniveau, der Zorn verflogen. Und Trauer füllt meine Augen und mein Herz. Ich fühle mich wie in einem Albtraum, doch ein Erwachen ist nicht möglich, denn der Traum ist Wirklichkeit. Voller Schrecken und Verzweiflung sehe ich, was ich angerichtet habe. Eine Angst überkommt mich, wie ich sie noch nie in meinem Leben gespürt habe. Ich habe getötet, gemordet. Nur weil ich wütend war. Ich werde den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen. Alle meine Freunde werden mich angewidert ansehen, meine Familie wird mich hassen! Ich werde alleine sein. Wie tot.

Wie in Trance gehe ich ins Wohnzimmer, trete hinaus auf den Balkon in die kühle Abendluft. Ein tiefer Atemzug, dann klettere ich auf das Geländer. Unter mir ist sehr viel Luft, den Boden erkenne ich nur schemenhaft. Eine leichte Neigung nach vorne und ich falle.
Weg aus dem Leben.

Wissensgesellschaft

Ich habe es wieder getan. Im Tram lag sie auf dem Nebensitz und lockte.
Da hab ich mich verschämt an ihr vergriffen.
Sie war eine bunte Gratis-Zeitung und schenkte mir Zugang zu einer Fülle von unglaublichen Informationen!
Als sie durchgeblättert war, beschäftigte ich mich noch lange Zeit mit einem erstaunlichen Beitrag, der sich richtiggehend in meinem Hirn festgekrallt hatte!
Worum es eigentlich ging, war dem Artikel zwar nicht zu entnehmen.

Auf jeden Fall weiss ich jetzt, dass Ex-Bundesrat Merz zuhause einen handgeschnitzten Alpaufzug im Wohnzimmer stehen hat, in dem zwischen vielen Kühen eine Kuh eine andere besteigt!
Der Beitrag füllte eine halbe Seite und war bebildert mit einem Screenshot einer Fernsehsendung, in der Merz offensichtlich interviewt wurde. Vor seinem Alpaufzug.
Worüber gesprochen wurde, wurde nicht verraten.
Die bestiegene und die besteigende Kuh wurden durch einen roten Kreis neben Merz’ rechtem Ohr besonders hervor gehoben.
(amc), der oder dem wir diese wertvolle Information zu verdanken haben, befürchtete im Beitrag auch, dass die Szene der Konzentration der Fernsehzuschauer nicht förderlich gewesen sein könnte.

Bleibt zu hoffen, dass weder bei FernsehzuschauerInnen noch Gratisblättli-Lesenden physische oder psychische Langzeitschäden wie zittrige Finger, Konzentrationsstörungen oder tiefgreifende Selbstzweifel zurück bleiben.
Es ist für manche Menschen bestimmt eine traumatische Erfahrung, nach dem Lesen eines Zeitungsartikels nicht verstanden zu haben, welche Information dieser denn nun enthalten hat!

Hoffentlich bleibt (amc) thematisch am Ball und wird uns mit einem weiterführenden Artikel über geschnitzte Alpaufzüge bei Merzens und die Gefahren der individuellen Informationsverarbeitung aufklären!
Als Headliner: „Die Wissensgesellschaft fordert ihre ersten Opfer!“

Neues Gesicht: Namtam

Einige werden es vielleicht bemerkt haben, für die anderen führe ich es gerne etwas ausführlicher aus:
Es gibt ein neues Gesicht auf 2lounge.ch.
Mich.

Eigentlich stiess ich einst durch Facebook auf diesen Blog, der mich sofort bezüglich Inhalt und Ansichten in seinen Bann zog und mich fortan im Google-Feedreader mit regelmässigen neuen Beiträgen verwöhnte. Seit Mitte des letzten Jahres betreibe ich schon einen eigenen Blog, der aber seinem einstigen Sinn und Zweck bald nicht mehr gerecht wurde. Einst als relativ persönlicher Blog geplant, landeten immer mehr gesellschaftskritische und politisch motivierte Texte auf diesem Blog. So kam ich dann auf die Idee, diese Texte einem passenderen Publikum und vorallem in einem entsprechenderen Rahmen zu präsentieren: hier.

Und wer steckt nun hinter diesem neuen Gesicht?
Nun, mein Name ist Beat, ich werde dieses Jahr 23 Jahre alt und habe im letzten Herbst das Studium der Informationswissenschaft an der HTW Chur aufgenommen. Nebenbei arbeite ich an der Universitätsbibliothek Basel, um mir ein einigermassen angenehmes Leben gönnen zu können (Villa mit Pool, schönes Auto, immer im Ausgang, riesiger TV – man kennt das ja). Früher war ich mal ein absoluter Computerfreak, was auch in einer Berufslehre als Elektroniker gipfelte. Mit den Jahren wurden dann die Scheuklappen etwas gelockert und mittlerweile interessiere ich mich auch für Politik, Psychologie, Philosophie, Geschichte, Musik, Fotografie, Literatur, Lyrik (siehe hierzu auch meine eigenen Gehversuche). Und wie es scheint, wächst der Umfang meiner Interessen stetig.

Kritik und Lobhudeleien sind aber immer willkommen.

Der Lohn ihrer Arbeit

Hans Fehr
Hans Fehr (Screenshot Tele Züri)

SVP-Nationalrat Hans Fehr von Linksautonomen zusammengeschlagen worden.

So hiess es diese Woche in allen Zeitungen. Auf dem Weg zur Albisgüetli-Tagung lief Hans Fehr den Rest des Weges von seinem parkierten Auto zum Lokal zu Fuss, direkt an einer Gruppe linksautonomer Demonstranten vorbei.

Jedem, dem der Verstand nicht unbedingt nur als Fremdwort bekannt ist, sollten in einer solchen Situation sämtliche Alarmglocken schrillen. Linksautonome sind nicht unbedingt für ihre Friedlichkeit und Gandhi-inspirierte Art bekannt. Und Hans Fehr ist keineswegs ein unbekanntes Gesicht in der hiesigen politischen Welt.

Doch ungeachtet dessen vermeldete die SVP auch, dass sie ihr Budget im Bereich Sicherheit von 20’000 auf 30’000 Franken ausbauen musste. Dies dank vermehrter Übergriffe und Beschädigungsaktionen seit der Initiierung der Ausschaffungsinitiative.

Es scheint, als ernte die SVP nun die ersten wohlverdienten Früchte ihrer Arbeit. Nicht umsonst investierte sie soviel Zeit, Geld und Mühen, um ein allgegenwärtiges Klima des Hasses und der Gewalt zu schaffen.

Ein Tor, wer da die Kausalität nicht erkennt.