George II, der Herr Goethe und das Phantoma bin Laden

George II hat Massenvernichtungs-Phantomwaffen und die Achse des Bösen erfunden, als er sich, seiner Familie und seinen Business-Freunden den Zugriff auf das irakische Erdöl sichern wollte. Hat nicht schlecht geklappt.

Ärgerlich bloss, dass Papa George I. den Saddam ganz geschäftstüchtig aufrüsten liess, was die unfreundliche Übernahme der irakischen Resourcen etwas verkomplizierte und unerwartet blutig gestaltete, resp. zeitlich unangenehm ausdehnte…

Hat der alte Hexenmeister
sich doch nun mal wegbegeben.
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.

Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch.
Und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

dachte sich George II., als die Twin Towers am 11.9.2001 attackiert wurden und 3000 Menschen starben. Erst guckte er verdutzt und belämmert im Kindsgi von seinem Bilderbuch hoch – ins Leere.
Oder aber er dachte bereits ganz spontan über die phänomenale Phantomwaffen-Strategie nach.

Walle! Walle!
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Bomben fliegen
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Blutbad sich ergieße.

So fand die Demokratie Einzug in den Irak, was vorallem bedeutet, dass die irakischen Öl-Vorkommen seither von amerikanischen Firmen vermarktet werden.

Weil damit der Terroranschlag in New York noch nicht schlüssig in Zusammenhang mit dem üblen Saddam gebracht werden konnte, erfand George II. als „Missing Link“ das Phantoma bin Laden.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen,
bist schon lange Knecht gewesen,
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Bombentopf!
Seht, er läuft schon Amok wieder,
Wahrlich! ist er schon am Schusse

und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit blut’gem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie der Friedhof schwillt!
Wie sich Massengrab
voll mit Leichen füllt!

Ein ganz, ganz übles Kerlchen, Held für manche und Terrorist für andere.
Robin Hood und Satan, Gotteskrieger und Massenmörder. Eine Figur, die niemanden kalt lässt.
Ein gelungener Feind.

Eine unendlich lange und wirre Abfolge von unscharfen Fotos, verwackelten Filmchen und grässlichen Videobotschaften überfluteten die Medien der Welt, die die Kunde vom fanatischen Massenmörder mit Bart und Nachthemd gierig aufsogen und im Bewusstsein der Menschen lebendig hielten.

So fand das Phantoma bin Laden Zugang in die Albträume der Menschheit und in das angestrebte Heldentum manches hoffnungslosen Fanatisierten, der dem Helden mörderisch nacheifern wollte und an das Paradies und seine 70 Jungfrauen als Belohnung für Meuchelmord glauben wollte.

Seit 10 Jahren wurde das Phantoma bin Laden nun medial begleitet, amerikanisch befeuert, dollarverschlingend und kollateralschädenreich von Geheimdiensten, militärischen Spezialeinheiten, von Boden-und Luftwaffentruppen, von Kopfgeldjägern und Abenteurern gesucht und gejagt.

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und umbringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Grüsse
bringt er schnell herein,
Ach! und tausend Schüsse
stürzen auf uns ein.

Eine neue Definition von Selbstläufer wurde erfunden!
Ähnlich dem Goldrush des 19. Jahrhunderts.
Viele morden Unschuldige und viele jagen den Mörder, der vielleicht existiert oder mal existiert hat und jedenfalls zu Beginn auch eine ganz nützliche Erfindung gewesen sein könnte.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

Weltweit weiss jede Frau, jeder Mann, jedes Kind, wie der Phantomas bin Laden aussieht, obwohl er auf den vielen qualitativ minderwertigen Aufzeichnungen manchmal hennarot- oder schwarz- oder weisshaarig ist, manchmal eine Hakennase und manchmal ein gerade Nase trägt. Obwohl die Stimmen seiner Audiobotschaften vielen verschiedenen Männern gehören müssen und seine Rhetorik auffällig und ungewöhnlich variantenreich sein soll.

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll die ganze Welt ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon blut’ge Ströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Phantasie, die du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schiessend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!
Wehe! wehe!

Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
Und sie laufen! Blutig, blutig
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gemeuchel!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!

Mittlerweile haben sich die Machtverhältnisse in den USA partiell verändert und das Erbe wiegt schwer.

Die George Bush rief, die Geister
wird Obama nun nicht los.

Und: die Lösung wurde gefunden!

Nicht weit von der Grossstadt Islamabad wurde das Phantom aus einem Helikopter hingerichtet und im Meer bestattet…aus Rücksicht auf islamische Traditionen hat die Bestattung innerhalb von 24 Stunden zur erfolgen.

Glück gehabt! So einfach ist’s!

Bei einem so grässlichen Feind, der zwar wohl kaum jemals selber ein Flugzeug gesteuert hat, sind rechtsstaatliche Grundsätze glücklicherweise ausgesetzt!
Verhaftung und Gerichtsbarkeit wären wohl beim Phantoma nur äusserts schwierig anzuwenden gewesen…

Das zutieftst christliche Amerika feiert alttestamentarische Vergeltungsfreude.

Und vorallem: die amerikanische Börse erfährt auf dem Tiefstpunkt des Dollarwertes einen wahren Höhenflug!

Alle sind glücklich! Menschen feiern auf der Strasse Rache, Feuerwehrleute fahren hupend mit ihren Einsatzfahrzeugen Parade und Menschen weinen vor Freude und Rachewahn.

So oder ähnlich endeten auch die Märchen der Gebrüder Grimm…

Der absolut irrelevante Schluss von Goethe’s „Zauberlehrling“ lautete folgendermassen:

“In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.”

Bis zum nächsten „Bumm“…ob der die Wallstreet in welcher Form auch immer treffen wird oder nicht…

WasissdasallesbescheuertundabartigundKateundWilliamhabensichgeküsstey!!!