Alles gute Christof…

Heute möchte ich euch von einem Mann erzählen. Er wurde 64 Jahre alt und zählte durchaus zu meinen Freunden. Christof, ich lernte ihn etwa vo anderthalb Jahren kennen in Basel am Claraplatz. Ich war verzweifelt auf der Suche nach einem Feuerzeug er hat mir eines angeboten.

Es gibt merkwürdige Freundschaften, die einem durch das Leben begleiten. Christof und ich waren uns sofort sympathisch, mit wenig Worten. Wir gingen ein Bier trinken.

Christof war . Lebte schon seit 4 oder 5 Jahren auf der Strasse, er war sich mit der Zeit nicht mehr so sicher. Er hat alles verkauft was er je bessesen hatte um zu überleben, ausser sein Fahrrad. Er und sein Fahrrad waren unzertrennbar, sein Hobby sein Leben. Er sagte mal: “Wenn man mir mein Fahrrad nehmen würde, könnte man mich gleich erschiessen”.

Christof bereute sein Leben lang, dass er nie eine Ausbildung begonnen hat. Früher konnte er als Hilfsarbeiter bei der Ciba (heute: Novartis) arbeiten. Er bekam 13:50 auf die Stunde und konnte mit diesem Geld ohne staatliche Unterstützung leben. Was genau passiert ist, als er seinen Job verloren hatte und wie er auf die Strasse kam, hat er mir leider nie erzählt.

Ich fragte Christof mal, wie sein Tagesablauf ist, was er gerne macht. Seine Augen haben geleuchtet als er das Wort “Musik” in den Mund nahm. Er hörte gerne Musik. “Ja aber wo? und wie? fragte ich. Die Antwort erschütterte mich. Er schloss sich immer wieder auf der Toilette im Migros Restaurant ein und lauschte dort der Musik.

Christof war stolz darauf, dass er nie gestohlen hat. “Weisst du. Wenn man auf der Strasse lebt, ist die Versuchung gross im Denner mal etwas mehr mitzunehmen als man bezahlen kann. Aber ich bin kein krimineller sowas tue ich nicht!”

Ich habe ihn im Monat 1-2 mal gesehen und jedesmal ein “Grosses” offeriert. Wir redeten über alles mögliche. Die Gesellschaft, die Politik, das Leben, der Rhein, usw. Ich genoss die Zeit und er war froh, dass ich mich mit ihm abgab und jemand sich für ihn interessierte. Christof nahm mich sogar an einem Sonntag mal mit in die Kirche, da er sich Sorgen um meine Seele machte, da ich so selten bete.

Heute Nacht am Claraplatz hat mich ein Freund von Christof angesprochen. Und mir mitgeteilt, das er letzte Woche verstorben ist. “s’Härz het nümme wölle.”

Ich habe heute keinen Obdachlosen, keinen Penner und auch kein Schmarotzer – sondern einen Freund verloren. Ich hoffe für dich Christof, dass du deinen Frieden gefunden hast. Ich jedenfalls werde dich nicht vergessen und mich an dich erinnern. Ganz bestimmt werde ich in deiner Kirche auch eine Kerze für dich anzünden…

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