Verlorene Hosen

Da sass ich also mit meinen Einkäufen, die ich nach Feierabend im Laufschritt besorgt hatte, auf der Bank an der Tramhaltestelle und freute mich darüber, sitzen zu können.

So wie allen, die ausschliesslich stehend arbeiten, tun mir abends die Füsse weh.
Das ist so normal, dass man es kaum mehr bemerkt.
Aber um Füsse geht’s hier gar nicht. Eher um Beine. Oder besser: deren Verpackung.

Ich wartete also auf einer Bank sitzend auf mein Tram, als ein älterer chinesischer Herr von der gegenüberliegenden Strassenseite auf mich zu rannte. Er keuchte und zeigte Zähne. Aufgrund meiner sich manifestierenden Alterskurzsichtigkeit (so hat das der von mir kürzlich heimgesuchte Optiker bezeichnet, der freche Kerl!!!) gelang es mir nicht herauszufinden, ob der Mann im Laufschritt lächelte oder die Zähne fletschte…
Er begrüsste mich mit „Sie vorher Laden kommen?“. Ich verneinte dies und überlegte schon, ob er mich als Ladendiebin anprangern wolle.
„Sie bringen schneiden?“

(Diesen Werbemist mitten in dem Blog-Text finde ich megaoberpeinlich!
Leider weiss ich nicht, wie so etwas kommt…entschuldige mich dafür und werde dem nachgehen!)

„Hosen schneiden?“ fragte ich ihn fassungslos.

„Hosen schneiden dann verloren. Jetzt gefunden!“ sagte er darauf und strahlte sehr erleichtert. Er lächelte definitiv, was mich beruhigte.

Da begriff ich allmählich:
Eine Schweizerin mittleren Alters mit vollen Einkaufstaschen hat ihm ein paar Hosen zum Kürzen in seine Änderungsschneiderei gebracht. Die Hosen gingen wohl vorübergehend verloren, wurden wieder gefunden und nun sucht der nette Herr an der Tramhaltestelle vor seiner Änderungsschneiderei die Besitzerin der Hose.

Das ist sehr nett von ihm und wohl auch sehr schwierig – weil alle Schweizerinnen mittleren Alters mit vollen Einkaufstaschen für ihn

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