was mich heute berührt hat

Nachdem die alte Frau nach jahrzehntelanger Pflege des Kriegsgefallenendenkmals nicht mehr in der Lage war, die kleine täglich zu betreuen, haben meine Schwiegereltern die Aufgabe übernommen. Sie haben im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin glücklicherweise niemanden in einem Krieg verloren.

Die Heiligkreuz-Kapelle in im Markgräflerland – der kulinarischen und önologischen Spitzenzone in Baden-Württemberg und ganz Deutschland! – wurde 1752 als “Wegkapelle” gebaut und damals vermutlich von Handelsreisenden auf der Nord-Süd-Route für Gebete genutzt.
Sie gehört nicht einer Kirche, sondern ist ein gemeindeeigenes historisches Denkmal,
dessen Zweck im Laufe der letzten 260 Jahre vermutlich mehrmals geändert wurde.

Der Innenraum misst etwa acht Quadratmeter und beherbergt ein bescheidenes Eisenkreuz und Blumenschmuck, der von meinen Schwiegereltern ersetzt und gepflegt wird.

1952 wurde die alte Kapelle renoviert und an den Innenwänden mit Mosaiksteinen die Namen der Kriegsgefallenen aus dem Dorf, die im 2. Weltkrieg gestorben sind, angebracht.
Name. Geburtsjahr. Todesjahr.

Ein Name berührte mich ganz besonders. * 1932 – + 1945.
Der Soldat war also 13 Jahre alt…

Ein altes Denkmal mit den Namen der getöteten Schliengener aus dem ersten Weltkrieg, das an einer anderen Ecke des Dorfes vor sich hin moderte, wurde umgesetzt und neben der uralten Kapelle platziert.

Als irgendwo im Dorf eine Gedenktafel gefunden wurde, auf der den Gefallenen eines ungenannten Feldzugs im 19. Jahrhundert Respekt gezollt wurde, wurde diese ebenfalls an der Mauer der Heiligkreuz-Kapelle befestigt.

So wurde die winzige und uralte Kapelle zum Kriegsgefallenen-Denkmal.

Heute abend habe ich meinen Schwiegervater begleitet, als er wie jeden Abend die Kapelle schliessen ging.

Er brauchte keinen Schlüssel. Den gibt es gar nicht!
Das Denkmal ist immer zugänglich. Aber jeden Morgen wird die Türe geöffnet, damit niemand Hemmungen hat, einzutreten. Und jeden Abend wird sie wieder zugemacht.
So hat es auch die alte Dame jahrzehntelang gehandhabt.

Wir haben zusammen noch den Abfall eingesammelt, den Besucher neben der Kapelle liegen liessen und eine Sitzbank dorthin zurückgestellt, wo sie hingehört.

Meine Schwiegereltern haben die alte Frau von ihrer täglichen Aufgabe entlastet. Sie werden von ihrer Wohngemeinde dafür jährlich mit drei Flaschen Sekt entschädigt.

Diese kleine Geschichte, die ich heute erleben durfte, hat mich tief berührt.

Nicht alles, was wir tun ist rational und erst recht nicht modern oder neoliberal-wirtschaftlich-monetär verwertbar!

Umso so wichtiger ist es!
Manche Dinge sind dazu da, , Menschlichkeit, Nachdenken und erinnerungsbasierte Lernprozesse zu erhalten und zu ermöglichen.
Respekt zu zeigen. Nicht zu vergessen, welches Leid falsche Entwicklungen verursachen können.

Und es braucht Menschen, die bereit sind, bestimmte weiter zu pflegen, damit wir bereit bleiben, aus der Geschichte zu lernen.

Und: ich liebe meine Schwiegereltern seit heute Abend noch viel mehr!

Schreib uns deine Meinung!