Saure Gurken und gefährliche Tiere

Beim Googeln nach der Herkunft des Ausdrucks „Sauregurkenzeit“ verblüffte vor allem, dass diese im englischen Sprachraum tatsächlich als „cucumber time“ bekannt ist. Weil es in unseren modernen Zeiten – zumindest in unseren Breitengraden – keine Saison der Lebensmittelknappheit mehr gibt hat sich der Begriff längst eigenmächtig ein anderes saisonales Problem zur Umschreibung ausgesucht.

Im Sommer 2008 fand ich die sauerste Gurke in einer mehrtägigen Beschäftigung der lokalen Presse mit meterlangen Riesenwelsen, die sich im Rhein tummeln sollten und arglosen Rheinschwimmerinnen aus Neugier Knutschflecke oder so verpassen würden/könnten/täten.

Ein/e RheinschwimmerIn, die mit neugierigen Riesenwelsen Bekanntschaft machte, wurde zwar weder gefunden noch befragt – der Fischereiverband rüstete jedenfalls auf und war bereit die Stadt vor den gigantischen Invasoren zu retten! So kam auch der ausserhalb des öffentlichen Interesses agierende Fischereiverband Basel-Stadt im Sommer 2008 zu seiner Schlagzeile.

Im Sommer 2012 gab es bereits mehrere erschreckende Begegnungen mit einem schwarzen Panter in den Kantonen Bern, Solothurn und Baselland. Ein Krokodil okkupiert einen bayrischen Badesee und löst nicht nur Badeverbot, sondern auch intensive Suchaktionen über, im, unter und neben dem Gewässer aus. Im Süddeutschen Raum werden Waldspaziergänger von einem Schimpansen – oder war es ein Gorilla? – an Leib und Leben bedroht!

Der Aufenthalt in manchen Naherholungszonen des deutschsprachigen Europas scheint beinahe so gefährlich zu werden wie der Aufenthalt am rechten Rheinufer Basels! Das will etwas heissen!
Regelmässig werden wir BaslerInnen von Baselbietern, Zürchern und BewohnerInnen der wohlhabenden Aussenquartiere Basels darüber informiert, wie gefährlich wir hier leben! Erst kürzlich musste ich wieder bestürzt lesen, dass man am Abend das Kleinbasel nicht mehr betreten könne…

Noch gefährlicher scheint nur noch die Invasion der ! Nachdem über viele Jahre versucht wurde, diesen längst ausgerotteten Mitbewohner in der Schweiz wieder anzusiedeln und dies endlich, endlich zur Freude Vieler gelungen ist, ereilt uns über eine der klügsten Gratis-Zeitungen der Schweiz nun diese düstere Nachricht: muss bibbern! Aufgrund der „Biberplage“ – geschätzte 2000 bevölkern mittlerweile das schweizerische Gebiet von etwas über 41`000 qkm – sollen die im klugen Blatt auch als „Wasserratten“ bezeichneten Dammbauer – nun zum Abschuss freigegeben werden!

Dank der Jägerlobby und anderen Tier- und Menschenfreunden werden sich die täglichen Mordopfer des Kleinbasels, die schweizerischen Biber und andere Sauregurkenzeit-Phantome schon bald in den Ewigen Jagdgründen der Verdammten mit den von schiesswütigen Schütze(r)n hingerichteten Luchsen, Wölfen und den Bären Bruno und JJ 1-3 vergnügen können.

Bis mir ein Anthropologe das Gegenteil beweist, halte ich die phänomenalen Entwicklungsschritte von homo erectus über homo sapiens zu homo sapiens sapiens vorsorglich für ein Presse-Produkt der Sauregurke-Zeit.

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