Alle Beiträge von Regina Rahmen

Regina ist frustriert, asketisch, depro und nimmt alles todernst! Davon kann sie leider nicht leben und geht deshalb einer seriösen Erwerbstätigkeit nach. Neben einigen Engagements gewerkschaftlicher und polititscher Natur, ist sie Kolumnistin der Gewerkschaftszeitung syndicom und liefert Motztexte auch an andere Nonprofit-Dingers. Ihr Credo "die Welt braucht jede Menge verbitterte Alte wie Statler und Waldorf!"

Wertet ein bedingungsloses Grundeinkommen tatsächlich die Arbeit ab?

 

Es gibt keine Vollbeschäftigung und es wohl nie mehr Vollbeschäftigung geben. Das macht uns versklavbar.

Nicht nur die rasche Technologisierung weiter Arbeits- und Lebensbereiche trägt dazu bei.

Dazu trägt vor allem bei, dass vielen Berufstätigkeiten im neoliberal-kapitalistischen Zeitalter keine „Wertschöpfung“ zugesprochen wird und der Lohnzerfall in sozialen, pflegerischen, Infrastruktur pflegenden und produktiven Erwerbsarbeiten  fortschreitet.

Die Land- und Forstwirtschaft ist einem Preiszerfall ausgeliefert. Poulet aus China, Gemüse aus Nordafrika, Fische und Holz aus Asien und Kräuter aus Südafrika zu importieren ist billiger. Wie weit es sinnvoll ist, die Lebensmittelproduktion aufzugeben und sich von Importen und dem künstlich tiefgehaltenen Kerosinpreis abhängig zu machen, bleibt offen. Dem gegenüber stehen absurde Bundessubventionen zur Unterstützung einheimischer Lebensmittelproduktion und –vermarktung.

Nicht die naheliegendsten Lebensmittel werden angebaut und produziert, sondern diese, die am höchsten subventioniert werden. Der Bund subventioniert  den Schweizer Fleisch – Werbeverein proviande jährlich mit 6,1 Mio. Franken! Mit diesem Geld wird Massentierhaltung gerne mit hübschen Bildern geschönt.

Über die Lohn- und Arbeitsbedingungen von Landwirtschafts- und Erntehelfer wissen wir sehr wenig. Vermutlich weil es niemand so genau wissen will und Bauern – vor allem Grossbauern – von ihrem Armen-Image gut subventioniert leben.

Die Produktion – ob Pharma, Metallindustrie oder andere Fabriken greifen die Gesamtarbeitsverträge an, erhöhen die Wochenarbeitszeiten und senken die Löhne. Ältere Mitarbeitende werden nicht nur in diesen Branchen gerne durch Jung-Deutsch-Billig ersetzt. Auch Eurolöhne haben bereits Einzug gehalten.

Im wachsenden Tertiärbereich der Dienstleistungen sind lohnabhängige Menschen beliebig austauschbar. Es finden sich immer einkommenssuchende Menschen, die bereit sind, die Arbeit für noch weniger Geld zu erledigen. Es fehlen in viel zu  vielen Branchen Gesamtarbeitsverträge und dort, wo sie existieren werden sie nicht immer eingehalten und/oder stehen ohnehin in Frage.

Die Sozialwerke stehen unter kollossalem Spardruck. Sie können  ihre  vorgesehenen Rollen kaum mehr wahrnehmen. Statt Menschen in Not zu helfen, Versicherungsleistungen an von Arbeitslosigkeit  Betroffene und Renten an Kranke und Arbeitsunfähige auszurichten, werden „die Fälle“ gegenseitig abgeschoben und die Opfer dieser Sozialabbau-Politik zermürbt.

Erinnern wir uns daran, dass Arbeit nicht nur den Lebensunterhalt sichern, sondern auch sinnstiftend sein sollte!

Ob Berufslehre oder akademische Ausbildung: Wie vielen Lohnabhängigen ist der „Luxus“ vergönnt, in ihrer Erwerbsarbeit noch einen Sinn zu finden? Wer kann tatsächlich seinen Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit verdienen, die tatsächlich seinem oder ihrem Interesse, dem Talent und  der Leidenschaft entspricht?

Dem gegenüber steht eine Welt voller Arbeit. Arbeit, die nur unbefriedigend, mangelhaft oder gar nicht erledigt wirtd, weil von wichtiger und sinnvoller Arbeit der Lebensunterhalt nicht mehr bestritten werden kann.

So bleiben weiterhin hilfebedürftige alte Menschen unterbezahlten TieflöhnerInnen in privaten, gewinnorientierten Institutionen ausgeliefert.

Natur-, Umwelt- und Tierschutz bleibt von den bescheidenen Möglichkeiten Freizeitopfernder abhängig.

Kinderbetreuung und Nachhilfeunterricht bleibt für viele schlecht verdienende Eltern unbezahlbar und liefert sie den Angeboten fragwürdiger Seelensammler aus.

Es bleibt „normal“, dass sich Lohnabhängige auch für lausige Löhne für schlechte Arbeit täglich durch die halbe Schweiz bewegen müssen. Für ihr Pendlerdasein werden sie zusätzlich durch steigende Fahrkosten bestraft. Wie sie ihr  Familien- und Privatleben aufrecht erhalten, bleibt sowieso ihr eigenes, wertloses Problem.

Ich wünsche mir, dass junge Menschen nach der Schule wieder eine echte Berufswahl erhalten und sich nicht für jede mögliche und unmögliche Lehrstelle mit auswändig gelernten Floskeln  prostituieren müssen.

Vor allem bin ich sehr überzeugt, dass Arbeit, die aus Leidenschaft und Überzeugung und nach Talent und Interesse  – und nicht nur aus Not – gewählt wird, um ein Vielfaches besser und wirkungsreicher versehen wird!

Wenn niemand mehr ungeliebte, unattraktive oder besonders strapaziöse Arbeit zu einem Hungerlohn erledigen muss, wird diese Arbeit – nun kommt der omnipräsente Glaube an die unsichtbare Hand des Gottes „Markt“ ins Spiel :-)– zwangsläufig auch finanziell aufgewertet!

Wer soll denn noch zu einem Hungerlohn den Dreck anderer bei Seite schaffen, wenn die Basislebenskosten gedeckt sind?

Alle die unterbezahlten, knochenharten und absolut notwendigen Arbeiten könnten sich aus dem Prekariat hinaus bewegen. Vielleicht wären diesen Arbeiten plötzlich das Geld wert, dass sie wirklich  wert sind?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen  wertet die Arbeit eben nicht ab. Im Gegenteil!

Es schenkt uns die Freiheit, uns unsere Arbeit selber auszusuchen!

Sperma nicht als Gleitmittel benutzen!

Ein steinreicher rechtsnationaler, gesellschaftskonservativer und ultra-wirtschaftliberaler Feudalist kauft die Schweiz. Kauft Filmstudios, Zeitungen und vermutlich auch private Fernsehsender.

Der alte Mann, der glaubt einen (göttlichen???) Auftrag zu haben, setzt viel Geld ein, um die Wahrnehmung der ganzen Bevölkerung zu steuern und die Klassengesellschaft zu re-etablieren.

Er kauft Zeitungen und setzt Statthalter als Chefredaktoren nach seinen erlauchten und finanzkräftigen Gnaden ein, die sein Weltbild in die alltägliche „Information“ einfliessen lassen.

Wirtschaftsliberale Kräfte haben sich längst vom gesellschaftsliberalen und sozialverantwortlichen Kurs verabschiedet. Medien, die die Bevölkerung aufklären und informieren sollen, lassen uns über Gratiskanäle manipulieren und verblöden.

Schliesslich ist auch die Vierte Säule der Demokratie nur noch eine Wirtschaftsbranche. Journalistische Ethik geht unter als Folge der lausigen Arbeitsverhältnisse, der Verpflichtung gegenüber den Arbeitgebern und mangels Alternativen.

Auch der Chefredaktor des Blick, René Lüchinger, ging durch die rechtsnationale, wirtschaftsliberale journalistische Kaderschmiede bei der Weltwoche. Zufall?

Blick am Abend wies vor einigen Tagen in einem Minibeitrag in zwei Sätzen auf den Abgang des Chefredaktors der NZZ hin. Keine Erklärung. Kein Kommentar. Keine weitere Information.

Besagtes Blatt lag neben dem Aschenbecher der Raucherzone beim Hinterausgang meines Arbeitsplatzes. Den ganzen folgenden Tag aufgeschlagen auf der Seite mit der Kolumne des Blick-Pendents von Dr. Sommer in der Teenie-Zeitung Bravo:

 Sperma nicht als Gleitmittel benutzen!

Nun mal ehrlich… weshalb hast Du   diese  Zeilen überhaupt gelesen?

Unser Kulturtipp: Erleben Sie das Gastspiel „Ausnahmezustand“ authentisch bei den Eingeborenen des Kleinbasels – dem grössten Hochsicherheits-Freilaufknast Europas! Nur für kurze Zeit!

Geschätzte Kulturinteressierte

Herzlich willkommen am 4./5. Dezember in Basel!

Buchen Sie so rasch als möglich eine Zugreise nach Basel und erleben Sie zwischen jetzt und ca. 7. Dezember mit, wie die örtliche Bevölkerung gelassen und humorvoll versuchen wird, ihren Alltag im zunehmend sicherheitsdis-positiven Ausnahmezustand zu bewältigen!

Lernen Sie das bunte und weltoffene Volk der KleinbaslerInnen kennen,

von dem erwartet werden darf,  dass es seine temporäre Sicherungsverwahrung hinter Gittern mit frenetischen Applaus feiern und die Folgen der Begrüssung von 57 Aussenministern der OSZE plus Gefolge begeistert aufnehmen wird.

Auch unsere benachbarten Grossbasler und Grossbaslerinnen werden am 4. Dezember von einem Hauch Internationalismus profitieren dürfen: Dann wird die ganze Versammlung mit Bodyguards, Sicherheitskräften und unter Ausschaltung der öffentlichen Verkehrsmittel, sowie hermetischer Absperrung der Innerstadt für die abendliche Abfütterung den Rhein überqueren!

Der Rest der  Ehre zur Durchführung der OSZE-Konferenz dürfen wir KleinbaslerInnen ganz privilegiert und unter uns geniessen!

Wir werden uns endlich richtig sicher fühlen mit all den Scharfschützen, die auf den Dächern positioniert werden. Die Drohnen und Militärhelikopter, die Tag und Nacht über unseren Köpfen kreisen werden. Beinahe so lustig zu beobachten wie die steigenden Drachen im Horburgpark. Nur etwas lauter.

Der Aufmarsch von Polizeikräften aus Deutschland, Frankreich und den anderen Schweizer Kantonen wird die Stimmung des kulturellen Highlights Tattoo Basel auffrischen. Wir sind es ja gewohnt, Militärangehörige aus der ganzen Welt im Gleichschritt in unserem Quartier spazieren zu sehen.

Die weiträumige Absperrung von Trottoirs, Strassen und Plätzen mit martialischen Absperrungen in unserem Lebensraum bereichert uns schon jetzt. Jeden Tag mehr.

Die beste Armee der Welt, das Grenzwachkorps und eine multikulturelle Schar von sonnenbebrillten, bewaffneten Bodyguards aus aller Welt wird unser Alltagsleben optisch und kulturell bereichern.

Für die grosse Ehre nehmen wir auch gerne in Kauf, dass der ÖV weiträumig umgeleitet wird und sich unsere Arbeitswegzeiten absurd vervielfachen.

Die Anwohnenden der Sperrzone freuen sich bereits riesig auf das Abenteuer, dass sie bei Verlassen ihrer Wohnung und bei der Heimkehr in die Sicherheitszone erwarten wird. Davon geht zumindest unsere Regierung aus, die deshalb auf weiterführende Informationen an die traditionell tolerante Bevölkerung verzichtete.

Wir lassen uns gerne überraschen! Werden Nacktscanner, Abtasten, Personenkontrollen oder schlicht ad personam Markierungen unsere abendliche Heimkehr aufwerten?

Möglicherweise gibt es auch griesgrämige KleinbaslerInnen und andere Partypooper, die die Begeisterung nicht so richtig teilen können.

Richtig so, dass die  Demo-Bewilligung durch das Departement des sympathischen reaktionär-liberalen Regierungsbaschis , der schon künstlerische Pappdeckel-Aktionen mit Festnahmen und Harmloser-Bürger-Striptease beendete, bisher ausblieb.

Feste sollen ungestört gefeiert werden können! Ich nerv’ mich ja auch, wenn mein Nachbar die Polizei anruft, wenn ihm meine Grillparty zu laut wird.

Eben!

 

Ecopop und das Versagen der Gegnerschaft

Sie tun es wieder!

Von sinn- und wirkungsvoller Gegenkampagne zur Ecopop-Initiative kann keine Rede sein!

Mit bestem Gewissen prügelt eine Bildungselite aus Wirtschaft und Politik mit der Rassismuskeule auf Bürgerinnen und Bürger ein, die das mehrheitlich gar nicht verdient haben. Genauso ungeschickt wurde versucht, die Annahme der gänzlich anders gelagerten Masseneinwanderungs-Initiative der SVP zu verhindern.

Die Gegnerschaft von Ecopop zeigt sich in ihrem Wirken so lernrestitent und kontraproduktiv, dass sie mit ihrer verunglückten Kampagne vermutlich genau das Gegenteil erreichen wird.

JA! Es gibt Rassismus und Xenophobie in der Schweiz!

Und diese dunklen, archetypischen Urpflanzen menschlichen Verhaltens wachsen. Fremdenangst ist nicht nur stammtisch-, sondern längst auch salonfähig geworden.

Wir erfahren unter der globalen Wirtschaftsdiktatur zunehmend Entpolitisierung, Bildungsnotstände, Abschaffung kultureller und sozialer Errungenschaften und eine Zunahme  egoistischen Verhaltens. Damit auch eine zunehmende Bereitschaft für kindlich-einfache, bequeme Feindbildmodelle.

Geiz-ist-geil Mentalität herrscht auf dem Arbeitsmarkt und nur die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz arbeitet unter einem Gesamtarbeitsvertrag. Auch bei den Gesamtarbeitsverträgen ist längst nicht alles Gold, was glänzt.

Vordergründig scheint dies mit der Ecopop Intitiative nicht viel zu tun zu haben. Wirklich nicht?

Wer die Ablehnung der Ecopop-Initiative erreichen will, muss sich nun sehr rasch Antworten für unprivilegierte und mitdenkende BürgerInnen einfallen lassen!

  • die längst berechtigte Zweifel an endlosem Wachstum hegen.
  • die keine Freude empfinden können über das Zukunftsbild einer 10 Milliarden-Weltbevölkerung und einer 10 Millionen-Schweiz.
  • die der selbstzerstörerische Ressourcen-Verbrauch ängstigt.
  • die selber erfahren müssen, wie hart die Verdrängung für Berufseinsteigende und ältere Arbeitnehmende aus dem Arbeitsmarkt tatsächlich geworden ist.
  • Die keine bezahlbare Wohnung mehr finden.
  • die aufgenommen haben, dass sich in den letzten 40 Jahren die Menschenpopulation verdreifacht und die Tierpopulation halbiert hat.
  • Die feststellen, dass die Flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit der Schweiz mit der EU kaum Wirkung zeigen, weil die Umsetzung sehr offensichtlich nicht ernst gemeint war: Die Fälle, die bekannt werden sind nicht mehr als die Spitze des Eisbergs, welcher gar nie kontrolliert wird. Weil weder genügend Geld, noch genügend Personal für flächendeckende Kontrollen  zur Verfügung stehen und geltendes Recht deshalb gar nicht durchgesetzt werden kann.

Die kontraproduktive Rassismuskeule, Schlagworte und die Verschweigung tatsächlich existierender und befürchteter Negativ-Entwicklungen kann die Annahme der Ecopop-Initiative kaum verhindern.

Mit dieser missglückten Gegen-Kampagne werden sich wohl eher noch mehr – auch sozial bewusste, politisch interessierte und weltoffene Stimmbürgerinnen – von den kampagnentragenden Organisationen verabschieden.

Ohne weitere Erklärungen bleibt das Bild erhalten, dass die Wirtschaft, ihre Verbände und deren vergoldete Polit-Lakaien nicht auf den unbegrenzten Import von billigeren Arbeitskräften verzichten wollen.

Linke Politik aus dem bodenfernen Elfenbeinturm und ohne Gehör für die Stimmung im Land  funktioniert auf die Dauer schlecht.

Die von gut verdienenden  Kommunikationsprofis mitgestaltete Botschaftsstreuung zielt meilenweit an der Erfahrungswelt der lohnabhängigen Bürgerinnen und Bürger vorbei. Schade.

Deshalb ist mit einer Annahme der Ecopop-Initiative zu rechnen…

 

 

 

 

 

Europa der Regionen – vergessenes politisches Konzept?

Im letzten Jahrhundert haben gesellschaftsliberale und linke Kräfte über ein Europa der Regionen nachgedacht. Dieses zukunftsvisionäre politische Konzept versprach die Förderung des Föderalismus und die Anerkennung der kulturellen Vielfalt in einem in Frieden geeinten Europa der Zukunft.

Im Maastricher Vertrag von 1992 wurde sogar ein Ausschuss der Regionen  vorgesehen,

der für mehr Bürgernähe zu den europäischen Institutionen sorgen sollte. Für die Ratschläge des AdR wurde jedoch keinerlei bindende Wirkung vorgesehen. Nicht erstaunlich, dass dieses Gremium bis heute vollständig unbekannt geblieben ist.

Die Zukunft von 1992 ist heute: Schottland stimmt für oder gegen   den Verbleib im Vereinigten Königreich ab.                                           Nicht mehr und nicht weniger.

Dadurch geraten d Schottinnen und Schotten bei ausländischen Elfenbeinturm-Linken in den Verdacht, nationalistischen Abschottungsgelüsten verfallen zu sein.                                                         Die einst durchaus sinnige Zukunftsvision eines Europas der Regionen scheint längst vergessen.

Rechtsaussen-Gruppierungen aller Länder fallen uneingeladen in Schottland ein und bejubeln das Referendum. Sie wollen dieses als nationalistisch-völkischen Schritt für ihre Selbstdarstellung falsch verstehen und für ihre braunen Kampagnen ausnutzen. Widerlich.

Bei so vielen antiquierten und ideologischen Brettern vor dem Kopf geht manches vergessen:

Dass die Schotten dem neoliberalen Overdrive der Ära Thatcher und ihrer Nachfolger schon immer kritischer gegenüber standen.         Dass die Verhökerung von Volkseigentum an die Meistbietenden – nichts anderes ist der Liberalisierungswahn – in Schottland weniger Freunde hat als in England.                                                                                           Der Glaube, dass der Staat möglichst schwach und billig sein müsse, scheint ebenfalls weniger ausgeprägt.

Auch die völkerrechtlich fragwürdigen Kriegsaktivitäten Englands an der Seite der USA stiessen bei den Schotten auf wenig Sympathie.

Den schottischen Eigenständigkeitswunsch nach 300 Jahren englischer Dominanz als rechtsnationalistische Verirrung abzuqualifizieren ist ungerecht und viel zu einfach.

Im besten Fall erhält die Diskussion über ein bürgernahes, menschenfreundliches und humanistisches Europa der Regionen und der Vielfalt durch das schottische Referendum wieder neuen Aufschwung.

Wenn die EU heute noch mehr ist als das Instrument zur Durchsetzung nordamerikanischer Wirtschaftsinteressen und Hoheitsgebiet der globalen Finanzindustrie, wird sie Heimat der Menschen und Völker Europas bleiben.

Grenzen war schon immer beweglich und veränderlich.