Alle Beiträge von Regina Rahmen

Regina ist frustriert, asketisch, depro und nimmt alles todernst! Davon kann sie leider nicht leben und geht deshalb einer seriösen Erwerbstätigkeit nach. Neben einigen Engagements gewerkschaftlicher und polititscher Natur, ist sie Kolumnistin der Gewerkschaftszeitung syndicom und liefert Motztexte auch an andere Nonprofit-Dingers. Ihr Credo "die Welt braucht jede Menge verbitterte Alte wie Statler und Waldorf!"
pfui

Spätgebärender und Linksträgerin

Sprache prägt das Bewusstsein. Vermutlich funktioniert das auch umgekehrt. Grund genug auf die Sprache zu achten. Unbestritten.

Aber ich will Klunkerparty zu dieser für Eingeborene ziemlich unangenehmen Baselworld sagen dürfen.

Eingeborene darf man natürlich auch nicht sagen. Da könnte sich ein Kleinbasler in seiner lokalen Zugehörigkeit herabgewürdigt fühlen. Das hat er möglicherweise von anderen Indigenen der Welt übernommen, die sich ihre Menschenwürde zum Teil seit Jahrhunderten hart und ausdauernd zurück erkämpfen müssen.

Klunkerparty darf ich auch nicht sagen, weil dies die Arbeit, die an diesem angeblich weltweit beachteten Luxus Flohmarkt geleistet würde, herabsetze. So wurde ich belehrt.

Was wohl damit gemeint ist?

Die Arbeit der Steineschleifer mit Staublunge in China oder die Arbeit der Handwerker aus der halben Welt, die über Wochen Tag und Nacht zu Dumpinglöhnen diese Glitzerauftritte bauen?

Die Würde der steuerzahlenden lokalen Handwerksbetriebe und Berufsleute, die den Raum zur Verfügung stellenden MCH AG aufgrund der lokal-ökonomischen Bedeutung über ihre Steuern mitsubventionieren mussten,  kann es kaum sein. Sie bekommen dort kaum etwas zu tun.

Oder entwürdige ich etwa die Models, die in lächerlichen Uniförmchen und auf 20 cm hohen Stelzen-Schuhen sehr gender mainstream-mässig… unterwürfig und überfreundlich die Messebesuchenden mit eingefrorenem Lächeln begrüssend, herab? Ob die wohl am Ende des Tages eine Fuss-  Rücken- und Gendermassage als fringe benefit zu ihrem Stundenlöhnchen erhalten?

Oder könnte „Klunkerparty“ etwa die community der internationalen Klunkerdealer verletzen? Ist ihnen dies nicht einfach – völlig political incorrect – scheissegal?

Verzogener Saugoof ist politisch auch völlig unkorrekt! So darf man verhaltensoriginelle Kinder mit speziellen Bedürfnissen sicher nicht nennen!

Sätze, die Begriffe wie Linksträgerin, Spätgebärender und Tischbein enthalten, gehen auch nicht. Die ersten beiden Begriffe schaffen ein Gender Problem und das Tischbein hat sich als drittes Geschlecht noch nicht etablieren können. Darunter haben vor allem auch Menschenkinder zu leiden, deren Geschlecht bei ihrer Geburt nicht der für sie vorgesehenen Einteilung in und entgegen kommt.

Ja, ich bin primitiv!

Will weiterhin Klunkerparty, Spätgebärender und Linksträgerin sagen dürfen! Werde weiterhin Firmen, die hohe fünfstellige Mieten in der Freie Strasse zahlen und ihre Laden-Mitarbeitenden mit Löhnen unter dem Existenzminimum abspeisen als Sozialschmarotzer bezeichnen! Weil sie ihre Mitarbeitenden ausbeuten und sich vom Sozialamt, das zum Lebenserhalt dieser Lohnabhängigen einspringen muss, indirekt subventionieren lassen!

Ich bin so primitiv und werde auch weiterhin Spass haben an Birgit Steineggers Figuren: Frau Pfund, Frau Schruppatelli und Frau Mgubi – auch wenn sich viele politisch Korrekte über Steineggers Blackface-Spiel schrecklich empören! Erst recht, wenn sie eine steinreiche Wichtigtuerin aus einer für uns völlig irrelevanten amerikanischen Fernsehsendung karikiert, die beleidigt – vermutlich weil sie in Switzer-, Swazi- oder Swedenland nicht sofort erkannt und hofiert wurde – einen Krokoleder-Handtäschli-Rassismus-Skandal in den Schweizer Medien provozierte.

Der einzige Skandal bleibt wohl, dass solche Produkte bei uns immer noch im Handel sein dürfen!

Ich bleibe primitiv und amüsiere mich weiterhin über Victor Giacobbos Fredy Hinz (lächerlich machen sozial Randständiger) und Mike Müllers Muzzafer (Verunglimpfung des Bildungsniveaus albanischer Einwanderer) und finde die uralten Witze des Berner Stapis bei seinem Comedy-Versuch vor allem alt, verstaubt und langweilig.

Ich bleibe primitiv und schwärme weiterhin für Massimo Rocchi, auch wenn er sich einen Scherz über jüdischen Humor erlaubte, nenne meine mit mir feixende Arbeitskollegin weiterhin „teutonische Oma“, begrüsse eine Freundin, die sich in zweiter Generation nicht einbürgern lassen will, mit „Wahlausländerin“ und lasse mich gerne von Menschen, die ich mag als alt, fett und senil veräppeln.

Auch wenn ich nichts von Fussballkultur verstehe, muss ich akzeptieren, dass „GEEEEEE CEEEEE, DIE SCHEISSE VOM SEEE-EEE“ offensichtlich eine akzeptierte Ausdrucksform von Begeisterung in dieser Szene ist.

Witze und Sprüche unter Menschen, die sich mögen sind sozialer Kitt!

Witze über Autofahrerinnen, Schwarze, Blondinen, Rollstuhlfahrer, Weisse, Österreicherinnen – vorallem blonde, sogar über Banker!, Schwule, AppenzellerInnen, Coiffeure, Zürcher, Türkinnen oder wen auch immer, sind vorallem eines:

Bestätigung der Zugehörigkeit zu unserer grossen, bunten sozialen Gemeinschaft!

Was diese überkorrekten MoralistInnen, die sich über jeden verunglückten Scherz empören und das Antirassimusmusgesetz mit ihren vertrockneten Anstrengungen bemühen und dadurch empörenderweise abwerten, ist folgende Tatsache:

Die allermeisten Menschen spüren und verstehen sehr wohl, ob ein Scherz ein Scherz unter verschiedenen Gleichen ist oder ob sich ausgrenzendes oder rassistisches Gedankengut darin zu verbirgt!

Ausgrenzend ist auch, mit und über vermeintlich “Andere/n” keine Spässe zu machen.

Um mich nicht erneut dem Vorwurf auszusetzen, Akademikerinnen verallgemeinernd und per se zu verunglimpfen, verzichte ich auch auf einen Schlusssatz, in dem die Bezeichnung weltfremd moralisierende ElfenbeintürmlerInnen vorkommt ;-))).

ruedi.tw

Nein, Herr Ruedi Rechsteiner, so nicht!

Sie haben den uneingeschränkten Respekt verdient für Ihre harte, unermüdliche und fundierte Arbeit gegen Atomkraftwerke und für die Energiewende.

Sie sind die Leuchtfigur der Anti-AKW-Bewegung und das personalisierte Lexikon für das Wissen über zukunftsträchtige Energiegewinnung .

Von der Entwicklung des real existierenden Arbeitsmarktes haben Sie als privilegierter Akademiker, Unternehmer, ehemaliger Nationalrat und  Verwaltungsrat der IWB – mit Verlaub – überhaupt keine Ahnung!

Die StimmbürgerInnen, die sich mit dem wahren Inhalt der Vorlage mit dem verlogenen Titel „Masseneinwanderungsinitiative“ beschäftigten, haben diese auch aus guten Gründen abgelehnt.  In Basel immerhin  61%!

Dass Sie sich aber dazu hinreissen lassen, aus Ihrer Sicht aus dem Elfenbeinturm, die Schweizer Stimmbevölkerung als dumbe Rassisten darzustellen, sprengt meine Toleranz gegenüber mehr als privilegierten Sozialdemokraten wie Ihnen.

Gerade Sie und Ihresgleichen, die gegenüber nichtakademischen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gerne eine abgehobene Lehrerhaltung einnehmen, sollten es sich nicht zu einfach machen!

Sie wurden wie viele andere sozialdemokratische Mandatstragende Opfer der zu einfachen und Zusammenhänge missachtenden Analyse, wie sie uns linken Büezenden so gerne vorgeworfen wird!

Sie rufen in der Tageswoche doch tatsächlich aus: „Der Schweizer Pass wurde zum Arierpass!“ und zeigen damit akademisches Stammtisch-Niveau und blanke Ignoranz der tatsächlich existierenden und zunehmend unhaltbaren Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt!

Deshalb hier eine nichtakademische Nachhilfelektion in ganz besonders einfachen BüezerInnen-Worten in der Hoffnung, dass auch Sie es verstehen:

-        Die Personenfreizügigkeit mit der EU wurde vom Souverän 2005 nur gemeinsam mit den Flankierenden Massnahmen angenommen.

-        Diese Flankierenden Massnahmen wurden bis zum heutigen Tage nicht flächendeckend und schon gar nicht konsequent umgesetzt.

-        Sozialdemokratische Mandatstragende haben alle Augen zugedrückt, sich lieber anderen kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen zugewandt.

-        Es finden Arbeitsplatzkontrollen nur stichprobenartigartig, bei gut begründeten Verdachten und zum Teil  sogar nach Ankündigung statt!

-        Sozialdemokratische MandatsträgerInnen beriefen sich gerne auf die Wichtigkeit und den Erfolg der FlaM – auch im Wissen darum, dass die Umsetzung mehr als massiv haperte.

-        Noch immer arbeiten 50% der Lohnabhängigen in Arbeitsverhältnissen ohne Gesamtarbeitsverträge!

-        GAV in den schlimmsten Nischen- und Problembranchen sind völlig ausgeblieben.

-        Die bisher nicht wahrzunehmenden Kontrollorgane können auch bei den offensichtlichsten Missbräuchen nicht mehr erreichen, als Empfehlungen auszusprechen….!

-        Lohnabhängige im höheren Erwerbsalter werden hemmungslos gegen junge Billiglohn-EinwanderInnen ersetzt. Beinahe überall! Tagtäglich. Weil Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen und auch unrechtmässige Kündigungen nach schweizerischem Arbeitsrecht rechtens sind und bleiben.

-        Sogar die gesellschaftliche Grundversorgung wird in Hungerlohnbranchen ausgelagert: Der halbherzige Widerstand der schweizerischen Linken gegen die Privatisierung (z.B. der Post CH AG) ermöglichte, dass grundversorgende Leistungen in Agenturen ohne Sozialpartnerschaft und ohne Mindeststandards und -löhne ausgelagert wurden.

Weshalb, Ruedi Rechsteiner, fällt es Ihnen so verdammt schwer, diese andere Realität und das Versagen der gescheiterten Gegenkampagne unter dem mit economiesuisse gemeinsam getragenen dämlichen und nichtssagenden Schlagwort „Abschottung“ wahrzunehmen?

Warum fällt es Ihnen so schwer zu akzeptieren, dass es vermutlich weit mehr als 20`000 Verdrängungs-Betroffene gab? Ganz offensichtlich haben sich trotzdem nicht alle zu einem Ja zu dieser SVP-Lügenpackung verleiten lassen. Sonst sähe das Resultat wohl noch wesentlich schlimmer aus!

Es ist keineswegs gelungen, den verführerischen Titel dieser unsäglichen Initiative mit seinem widersprüchlichen und verhehrenden Inhalt gemeinsam mit economiesuiesse und der verhehrend leeren Einwortbotschaft “Abschottunng” zu entlarven.

Deshalb, lieber Ruedi Rechsteiner, haben Sie mit ihrem Holzhammer total daneben geschlagen!

Es wird wohl Zeit, vom Elfenbeinturm hinunter zu steigen und etwas mehr auf die Menschen in der  ganz realen und mehrheitlichen Lebenssituation zu hören…

Sie sind auch nicht alleine gemeint. Es war doch einigermassen erstaunlich, wie ein Basler Regierungsrat und die Basler Ständerätin erst nach diesem Abstimmungs-Desaster feststellten, dass die Umsetzung der FlaM eventuelle Lücken aufweise…

 

betrug

Nicht drin, was drauf steht!!!

Weshalb die Masseneinwanderungsinitiative wirklich unbedingt abgelehnt werden muss – trotz missglückter Gegen-Kampagne

Herrn und Frau Schweizer wird ein wohlschmeckendes Erfrischungsgetränk, das gegen allerlei Zipperlein helfen soll,  angeboten. So steht’s auf der Verpackung. Drin befindet sich ein mit Schwedenbitter versetzter Abführtee, der auch das Anstandsorgan massiv schädigt und unter Einheimischen die Klassengesellschaft einführen will.

Kein Kassensturz, kein Saldo und keine Eidgenössische Materialprüfungs-Anstalt testen politische Waren wie Volksinitiativen.

Leider.

Bschiss auf der Verpackung ist bei politischen Vorlagen legal!

Der rasante Bevölkerungszuwachs löst viele berechtigte Bedenken aus. Nicht zuletzt steigen Bodenpreise, Mieten und Mobilitätskosten so stark, wie die Löhne in Branchen, die keine Gesamtarbeitsverträge kennen und die Mitarbeitende ohne Hochschulabschluss anstellen, sinken.

Auch weil sich dank der Personenfreizügigkeit genügend verzweifelte Lohnabhängige finden lassen, die die Arbeit für einen noch lausigeren Lohn erledigen.

Zunehmend werden junge Berufseinsteigende über Ketten von unterbezahlten Praktika vom selbst erarbeiteten  Lebensunterhalt abgehalten und ältere Lohnabhängige aus ihren Jobs verdrängt.

Da können Herr und Frau Schweizer tatsächlich in Versuchung kommen, die zur Volksabstimmung vorliegende Lügenpackung gut zu heissen… was sie nicht tun würden, wenn sie mit dem Inhalt und der Zusammensetzung des vergifteten Produktes vertraut wären.

Leider sind economiesuisse und die von dieser kreierten und finanzierten goms (Gesellschaft für eine offene und menschliche Schweiz – also die mit den geheimnisvollen Plakaten) beim sich schlau machen wenig hilfreich: Die global ausgerichtete Wirtschaft will die Arbeitskräfte importieren können, die bereits neoliberal abgerichtet und zweckmässig ausgebildet sind.

Der Linken und den Gewerkschaften gelang es nicht, deutlich zu machen, was die SVP Initiative gegen die Masseneinwanderung tatsächlich beinhaltet.

Es ist ihnen auch nicht gelungen, die Umsetzung der Flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit mit der EU flächendeckend wirksam um- und durchzusetzen. Da war der Glaube an die Bereitschaft und Fähigkeit der zuständigen Behörden auf nationaler und kantonalen Ebenen wohl zu gross.  Nicht zuletzt scheiterten notwendige Kontrollen auch an den Budget-Vorgaben  des Seco.

Das könnte sich bei dieser Volksabstimmung rächen.

Im hilflosen Versuch, dieser haarsträubenden Mogelpackung mit dem Titel “Masseneinwanderungsinitiative” eine ebenso kurzsilbige Botschaft entgegen zu stellen, scheiterte die Gegnerschaft gewaltig.

Ab-schot-tung ist in der Silbenzahl noch kürzer als Mas-sen-ein-wan-de-rung.

Leider beinhaltet das kurze Gegen-Schlagwort überhaupt keine verständliche Botschaft. Da waren die Empfehlungen der Vertreter der Kommunikationsindustrie zwar gewohnt teuer, aber sehr wenig hilfreich.

Herr und Frau Schweizer wollen wohl nicht eine Volksinitiative annehmen, die zum Ziel hat, die Einwanderung weiterhin alleine von der Wirtschaft steuern zu lassen.

Auch weil dies bedeutet, dass nicht ein einziger Jobsuchender weniger einwandert! Im Gegenteil. Die Initiative kommt nicht zuletzt aus der Küche einer Partei, die sich vehement gegen Sozialpartnerschaften, Mindestlöhne und flankierende Massnahmen einsetzt.

Diskriminierung soll Gesetz werden – ohne Wirkung auf die Zuwanderung

Herr und Frau Schweizer sind wohl kaum einverstanden damit, dass Inländer und Inländerinnen mit und ohne Schweizer Pass gegen einander ausgespielt und Arbeitgeber dazu verpflichtet werden sollen, die einen vor den anderen zu bevorzugen.

Diese volksinitiierte Diskriminierung ist verabscheuungswürdig und verhindert keine einzige Jobverdrängung und erst recht kein Lohndumping. Sie ist schlicht wirkungslos – zumindest in dem Bereich, die der Titel suggeriert.

Dass AsylbewerberInnen in diesem  menschenfeindlichen, wirtschaftsliberalen Einwanderungskonstrukt auch noch mitberechnet werden sollen, führt die Vorlage endgültig ad absurdum.

Menschen flüchten vor Kriegen, Misshandlung, Genozid und Verfolgung. Als potentielle BürgerInnen und Arbeitskräfte werden sie von den Initianten sowieso explizit ausgeschlossen.

Dieses stimmungsmachende Birchermüesli aus den Wirtschaftsinteressen besonders schlecht zahlender Branchen wie der industriellen Landwirtschaft, Fremden- und Gewerkschaftsfeindlichkeit, Stimmungsmache gegen Menschen ohne Schweizer Pass und völlig fehlenden politischen Engagements, notwendige Weiterbildungen für InländerInnen finanziell zu ermöglichen ist für die Schweiz schlichtweg sinnlos!

Ich rechne damit, dass Herr und Frau Schweizer trotzdem dem verlockenden Namen der Mogel-Volksinitiative verfallen werden.

Weil sie die Zusammensetzung des Getränks erst lesen werden, wenn sie die Packung geöffnet und davon gekostet haben.

Und weil es nicht gelang, dieser Mogelpackung “gegen die Massenwanderung” verständlich mit einer kurzen Botschaft entgegen zu treten.

Die Kommunikationsindustrie rules the world. Die von der SVP engagierte Firma war wohl eine Nasenlänge voraus.

Der Name des Produkts scheint wichtiger als das Produkt selber.      Ist das die Demokratie des 21. Jahrhunderts?

 

 

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Staatsaffären

Vom Epizentrum in der Nordwest ausgehend bewegten sich politische Erdbebenwellen bis weit in den Alpenraum. Falschbuchungen, Überweisungen an falsche Adressaten, Vergesslichkeit, Irrtümer und andere Formen von „persönlichem Einbehalt nicht zustehender Entschädigungen“ nagten weiter am Glauben der StimmbürgerInnen an die Integrität demokratischer Politik.

Noch schlimmer: Die Affären bestätigten die Ganz Grosse Volkspartei der Stimm- und Wahlabstinenten in ihrer demokratieschwächenden Haltung!

Leider schafften es die Nachbeben bisher nicht bis dahin, wo genau solche skandalösen Zustände ein mehrfach grösseres Volumen aufweisen und weitaus grössere – und vorallem! –  die Bevölkerung schädigende Wirkung entfalten: Im Nationalrat zu Bundesbern!

Dort, wo Lobbyisten nicht nur die Wandelhalle in Massen bevölkern wie die Religionsverkäufer am Samstag den Claraplatz in Basel.  Sondern genau da,  wo die einflussreichsten und gut bezahlten Lobbyisten im Plenarsaal sitzen!

Wo neben den üblichen Abgeltungen an unsere „Volksvertretenden“ viele – zu viele! – von ihnen als Wirtschafts-, Branchen- und FirmenvertreterInnen mit bis zu drei Dutzend Verwaltungsratsmandaten und Beraterpöstchen bei Laune gehalten und vergoldet werden.

Wird nicht Wirtschaftseinfluss auf Bundespolitik als demokratisches Grundrecht verstanden? Obwohl juristische Personen wie Firmen, Verbände etc. gar nicht stimmberechtigt sind?

Im Sumpf der menschlichen Unzulänglichkeiten von Politikern stieg auch in der lokalen Presse das Bedürfnis, weitere Skandale auszumachen. Zu Recht, möchte man gerne glauben.

Markus Somm, der Amerika und die Tea Party bewundernde, wirtschaftsliberale und gesellschaftskonservative Statthalter Blochers bei dessen Besitz „Basler“  Zeitung ergoss sich erst kürzlich weinerlich und predigend über den informativen Wert seines “freien” Blattes.

Seine schreibenden Jünger haben nun in eigener Recherche zu zweit (!) einen veritablen  Skandal  ausgemacht! Herzliche Gratulation von dieser Seite!

Ein Riehener Gemeinderat parkiert illegal! Und wurde womöglich noch nicht erwischt dabei! Noch kein noch so darüber genervter Anwohner hat je beobachtet, dass ein Polizist einen Bussenzettel ausgestellt hätte!

Das haben die beiden auf diesen Skandal angesetzten BaZ-Journalisten Mischa Hauswirth und Martin Regenass  ganz alleine herausgefunden. Unter dem Titel „Die Sonderrechte eines Gemeinderats“ wird ein notorischer Autofahrer und Verkehrsregeln missachtender Gemeinderat, dessen Partei, die LDP,  nicht an der Tea Party der „bürgerlichen Allianz“ in Riehen teilnimmt,   ob seines schändlichen Tuns zurecht an den Pranger gestellt.

Die rechtschaffene Community des BaZ Forums unterstützt diese journalistische Wertschöpfung: Wer Fahr- und Parkverbote missachtet, hat bestimmt noch viel mehr Dreck am Stecken!

Herr Müller meint: “Es gilt halt auch hier wieder: Alle sind vor dem Gesetz gleich, aber einige gleicher!”

Herr Berger „Bürgenmeiers Dreistheit ist kaum zu überbieten. Und er ist ausgerechnet ein Befürworter von der Parkplatzaufhebung im Dorf – peinlich.“

Herr Jeppen fordert den Herrn Bürgenmeier zum Rücktritt auf: “Nur mit einem Rücktritt beweist auch Herr Bürgenmeier, dass er auch zu seinen Fehler steht. Einfach Rückgrat zeigen!”.

Nun hoffe ich für  die Herren Hauswirth und Regenass von der BaZ und ihren begeisterten Mob im BaZ-Forum, dass sie so sündlos sind, wie sie dies von anderen erwarten.

Ego te absolvum. Amen.

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2lounge erklärt Fremdwörter: Kommunikation

(lateinisch communicare „mitteilen“) ist der Austausch oder die Weitergabe von Informationen.“Kommunikation” gehört zu den Wörtern, die im 21. Jahrhundert bis zur Unerträglichkeit verstümmelt, missbraucht und umgedeutet wurden.Unerträglich in seiner Omnipräsenz und Penetranz.  Stark verwandt mit „Fürblödverkaufen“ und „Lüge“.

“Kommunikation” braucht es dann, wenn “informieren” und “miteinander sprechen” nicht möglich oder von einer Seite unerwünscht ist.

Die Kommunikationsindustrie ist eine aufgeblähte Branche, die gegen Bezahlung das Lügen für andere mit bunten Bildern, Filmen und Falschaussagen übernimmt.

Zu den Opfern der Kommunikationsindustriellen gehören nicht nur Mitarbeitende grösserer und kleinerer Firmen, sondern auch SeniorInnen, die an Kaffeefahrten überteuerte Rheumadecken kaufen und Journalisten, die sich an Medienveranstaltungen von Grosskonzernen mit Informationen, Cüplis und Canapés abfüttern lassen.

Der Unterschied der Opfer wird im Nachgang deutlich: Während sich abgezockte Rentner und Rentnerinnen dafür schämen, dass sie sich  haben betrügen lassen, setzt sich die zweite Gruppe – verkatert oder in der Phase noch vor dem Kater – an den PC und tippt die Outputs der public relations-Verantwortlichen der grosszügigen Gastgeber 1:1 in die News-Industrie.

Natürlich im Zweifelsfalle im Sinne ihres Arbeitgebers. Schliesslich sind sie auch auf ihren Lohn angewiesen. Glücklich der Journalist/die Journalistin, die mangels Gesamtarbeitsvertrag ihren mageren oder gar freiberuflichen Obolus erhält. Er und sie verdienen im besten Falle noch etwas mehr als die Frau oder der Mann, der/die ihrem Verleger das Büro putzt.

Ausser sie sind als PraktikantInnen zu einem Monatslohn unter Fr. 1000.— beschäftigt. Deren „unabhängige“ Beiträge bereichern unsere printouts der ehemaligen „Vierten Gewalt im Staat” ebenfalls.

Dafür muss man auch Verständnis aufbringen. Schliesslich sind nicht alle der gut vernetzten Arbeit gebenden Zeitungsverleger solche Freigeister, dass sie die journalistische Freiheit nicht selber – als risikotragende Unternehmer schliesslich! –selber definieren möchten. Potentielle Inserenten vergraulen und den Unwillen der Mehrheitsaktionäre heraufbeschwören geht ja schon mal gar nicht!

Die freie Marktwirtschaft ist selbstverständlich nicht mehr an altertümliche demokratische Spielregeln gebunden. Wer es sich leisten kann, kauft sich die Dienstleistung einer Kommunikationsfirma oder stellt Kommunikations-Spezialisten ein, die gegen Honorar oder Lohnzahlung die ewig gestrigen Stänkerer im eigenen Betrieb  und Zeitungslesende ruhig stellen.

Lohnabhängige Mitarbeitende, die für’s schönfärberische Schwandronieren ihres Brotgebers zuständig sind, heissen Customer Relations Manager, Communications Manager Corporate Communication, Patient Relations & Communication Manager Associate Director Corporate Communications oder so ähnlich. Der Chef heisst Head of Communication oder auch anders.

Früher haben die Pfaffen lateinisch parliert, damit sie niemand versteht. Das ist nicht mehr so.  Die Anglizismen ergeben oft in der Ursprungssprache wenig Sinn. Das war auch bei den lateinenden Pfaffen so. Da konnten sich die Hirten glücklicherweise noch auf die fehlende sprachliche Bildung der Schafe verlassen.

Die neue Metareligion ist der Neoliberalismus. Der fordert die Wirtschaftsdiktatur ein. Ihre gut bezahlten Apostel sind die Kommunikationsverantwortlichen. Sie sind die neuzeitlichen Geistlichen der Religionen, Sekten, Betkreise und den mannigfaltigen Hütern der einzigen Wahrheiten aus den letzten sechs Jahrtausenden und des Wirtschaftsfreisinns.  Sie sind für jedermann käuflich und sprechen nicht mehr lateinisch, Sanskrit, Pali, althebräisch oder altarabisch. Sie parlieren neosprech und Euphenismen im wirtschaftsglobalisierten Sinne.

Die Kommunikationsindustrie ist die kommerzielle Waffe gegen den demokratischen Diskussionsbedarf.

Der Opus Dei, die Davidianer und Salafisten des Neoliberalismus und ihre Kommunikationsindustrie haben sich erfolgreich im Leben der Menschen des 21. Jahrhunderts eingenistet. Sie färben ihre Sprache, unterwandern ihre Vereine, ihre Parteien und ihre Gewerkschaften, steuern ihr Konsumverhalten und ihr Alltagsleben.

Letzteres ist abhängig von einem geregelten Einkommen. Deswegen bleibt den meisten Menschen gar nichts anderen übrig, als die einzige Wahrheit, die die PR-Hohepriester ihrer Auftrag- oder  Arbeitgeber „intern und extern kommunizieren“, anzuerkennen.

Weil es in der Wirtschaftsdiktatur keine andere Meinungen gibt, sondern nur Ungläubige, die die Wahrheit noch nicht verstanden haben. Glaube oder bleib draussen und verarme. Wobei der Glaube und die Unterwerfung ab mittlerem Erwerbsalter auch nicht mehr wirklich weiter helfen.

Exkommunition und Vogelfreiheit des Mittelalters wurden abgelöst durch drohende Arbeitslosigkeit und Unvermittelbarkeit. Im Mittelalter wurden nur wenige Menschen älter als 45. Heute sollten sie bis ins ins immer höhere Alter erwerbsabhängig bleiben. Im Alter, in dem man vor 1000 Jahren tot war, ist man heute Nahtod-Erfahrener, zumindest wenn man eine Arbeitsstelle suchen muss. Leibeigene gibt es ja gottseidank nicht mehr! Oder?