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Satire ohne Kabarettisten


Gäbe es eine/n KabarettistIn in der Schweiz vom Format eines Volker Pispers, Hagen Rether oder Urban Priol, hätte diese/r jetzt – ein halbes Jahr vor den eidgenössischen Wahlen – wohl Hochsaison!

Der erste Wahlkampfhelfer, ein kleiner eingebürgerter Afrikaner „bislet“ vor Missfallen auf die SVP-Bühne. Er heisst Zottel, ist ein politisch missbrauchter Geissbock, wohnt in Otelfingen und kann nicht sprechen. Dafür versteht er es offensichtlich umso besser, nonverbal zu kommunizieren!

Dem Kandidaten von SVP International aus Davos gelingt weder das eine noch das andere. Dennoch versuchte er es notgedrungen verbal, weil er vom Journalisten telefonisch interviewt wurde:

Fragen des Journalisten:
Dann kommt Ihre Kandidatur für den Nationalrat auf der SVP-Liste «International» gut an?
Wie verrückt. Ich war noch nicht daheim, ich bin momentan am Holzführen im Engadin. Aber die Frau hat schon von den ersten bösen Mails erzählt. Da kann ich nur gratulieren.
Warum?
Das sind doch alles leere Hosen! Wenn die Typen mir wenigstens ins Gesicht sagen könnten, dass ich ein Arschloch sei. Aber das getrauen die sich ja nicht. Diese huereverdammte E-Mail-Scheisse scheisst mich an. In den Computer kann jeder hineintöggelen, was er will. Hinstehen sollen die!

So die Originalworte auf www.bazonline.ch vom 21.4.11
Er würde die Wahlen wohl gerne in den Sägemehl- oder Boxring verlegen.
Baggerführer-Unternehmer und Davoser Landbesitzer Päuli Accola hat auch energiepolitische Visionen:Tunnelbeleuchtungen aus Energiespargründen nachts auszuschalten!

Eine bisherige und unkonventionelle Nationalrätin, die sich zur Wiederwahl stellt ist Yvette Estermann, SVP LU.
Von 2004 bis 2005 war sie Verwaltungsrätin der Cosmos AG, welche die Freie Universität Teufen (eine virtuelle Titelmühle, die schon einige deutsche Politiker in Bedrängnis brachte) betreibt.
Die Firma scheint ihrem Gatten zu gehören.
Frau Dr. Estermann fiel bisher eher weniger durch politische Weitsicht, denn durch überraschende Statements auf!
So erklärte sie in Ihrem Portrait-Film im Schweizer Fernsehen, dass ihr an der SVP besonders gefalle, dass sie für Ordnung einstehe, wie dies auch die Kommunistische Partei der ehemaligen Tschechoslowakei getan hätte.

Trotz Fukushima-Katastrophe bleibt die Unterschrockene ganz cool:
„Wissen Sie, dass ein wenig Radioaktivität gesund ist? Es gibt sogar einen Kurort in Tschechien, wo Radonbehandlungen angeboten werden!“.

Einen wahren Überraschungskandidaten für National- UND Ständerat hat die CVP Waadt ihrem Walliser Parteipräsidenten Darbellay zu verdanken!
Nachdem der bisher völlig unpolitische Claude Béglé mit dem selbsterfundenen Produkt Claude Béglé erfolglos bei den Freisinnigen, den Liberalen und bei den Grünliberalen vorstellig wurde, liess sich CVP-Präsident Darbellay von ihm begeistern.
Schwer zu glauben, dass eine Parteispende keine Rolle gespielt haben könnte.
Claude Béglé kandidiert ohne den geringsten politischen Leistungsausweis für National- und Ständerat!

Claude Béglé war jeweils kurzfristig Top Shot bei der französischen, holländischen, deutschen und schweizerischen Post. Mit viel Lärm und wenig Erfolg.

Nachdem er viele Jahre und schon vorher als Ökonomiestudent-Doktorand für Nestlé in einer für den Konzern schwierigen Phase in Zusammenhang mit dem Milchpulver-Skandal in den 70er-Jahren tätig war.
Die naturgemäss unvoreingenommenen Erkenntnisse des eingespannten Dokotranden verhalfen mittels buntem Prospekt zur Reinwaschung des Namens Nestlé – und ihm zum akademischen Titel.
Manche nannten ihn nach seinem Einschlag bei der Schweizerischen Post auch öffentlich einen Hochstapler und es kam nie zu einer Ehrverletzungsklage…

Claude Bégle hat in seiner kurzen Zeit als Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post vor allem die Kosten für den Verwaltungsrat optimiert – d.h. mehr als verdoppelt.
In seinen neun Monaten an der Spitze der Schweizerischen Post pflegte er den Kontakt zu den Medien auf sehr eindrückliche Weise. Sein von ihm selber veröffentlichter und nicht verifizierter Lebenslauf gibt einiges her, wovon auch Darbellay zu profitieren hofft:

Als jugendlicher Berater des Königs von Butan, als Stammeshäuptling eines ungenannten Volkes in Nigeria, als ausgebildeter Massai-Wildhüter, als Träger von drei Mobiltelefonen und Vater von sechs Kindern von einer unbekannten Anzahl von Frauen sind seine politischen Qualitäten ganz sicher unbestritten!

Gestern trat nun auch noch Martin Wagner, Neumitglied der FDP BL auf’s Nationalratskandidaturen-Parkett!
Sein Potential dürfte unbestritten sein – bei zufriedenen BaZ-Abonnenten, Weltwoche-Lesenden und UnternehmerInnen, die sich vom Wirken des Wirtschaftsanwaltes praktische Vorteile erhoffen.

Als politische Büezerin sprang ich demnach auf ein Kandidaten-Karrussell auf, das an sich schon rufschädigend sein könnte!

Umso wichtiger, dass auch Menschen für den Nationalrat kandidieren, die mit beiden Beinen im realen Leben der Mehrheit unseres Landes stehen!
Ohne fragwürdige Titel und ohne Hochstapelei!

NUN ZIEHE ICH ES ERST RECHT DURCH!!!!!!

Das “politische” Video des eingebürgerten afrikanischen Zwerggeissbocks findet sich hier:
http://www.youtube.com/watch?v=h2C9T6dTXlE

Basel kocht!

Alte, verbitterte Menschen wie ich erinnern sich an prähistorische Zeiten, als es in Basel noch drei Tageszeitungen gab. Danach sind auch die Dinosaurier ausgestorben.
Übrig blieben ein paar versteinerte Knochen im naturhistorischen Museum und die Basler Zeitung – eine liebgewonnenen Chimäre, geschaffen aus den sterblichen Überresten von Basler Nachrichten und National Zeitung.
Diese wurden übrigens bereits mit Holzstöckchen auf feuchte Lehmtafeln geschrieben als die AZ noch auf geglättete Birkenrindenstücke aufgepinselt wurde. So wurde diese von der Modernisierung der Newsverbreitungstechnik überrollt.
Sie weilt seit Äonen in den ewigen Mediengründen. Friede ihrer Asche!

So lebten die Baslerinnen und Basler also jahrzehntelang mit ihrer Basler Zeitung in mittlerer Zufriedenheit. Wenn blaue, rote, gelbe, grüne und braune Zeitungslesende zuverlässig und regelmässig ihre hauseigene Berichterstattung kritisieren, muss dies wohl als Zeichen ausgewogenen Journalismus’ gewertet werden.

Dann gab es einen Meteoriteneinschlag!
Die sich überschlagenden Ereignisse sind nachfolgend chronologisch zusammengefasst:

Februar 2010: BaZ-Verleger Matthias Hagemann verkauft sein Erbe an den achzigjährigen konservativen Milliardär-Financier-Investor TitoTettamanti, der bereits an Kauf und rechtskonservativer Neuausrichtung der Zürcher „Weltwoche“ beteiligt war und an den Wirtschaftsjuristen-Medienunternehmer Martin Wagner.
Das ist der mit der „Begeisterung für guten Journalismus”.
Damit werden die beiden Herren auch Besitzer des Namens „National Zeitung“ – dies nebenbei bemerkt.

Eine Neuausrichtung sei nicht vorgesehen, wird versichert und man möchte eine “regionale Zeitung mit nationaler Ausstrahlung“.
Gerüchte, die gelegentlich auftauchen, dass Blocherbiograf Markus Somm als künftiger Chefredaktor vorgesehen sein könnte, werden dementiert.
Ebenso wurde und wird das Gerücht dementiert, wonach Christoph Blocher in den Zeitungskauf involviert gewesen sei.

30. August: Der stellvertretende Chefredaktor der SVP-nahen Weltwoche Markus Somm aus Zürich wird Chefredaktor der BaZ.
Am gleichen Tag wird der bisherige Chefredaktor Matthias Geering von seinem Posten entfernt!

Die nicht vorgesehene Neuausrichtung zeichnet sich in Markus Somms regelmässig erscheinenden Kommentaren deutlich ab.
Markus Somm kommentiert stilistisch brillant und bringt weiteste Teile der Leserschaft innert kürzester Zeit zur Verzweiflung, zur Weissglut oder zumindest auf die Palme!
Seine Feindbilder sind variabel. Vor allem SozialdemokratInnen, Beamte, Christdemokraten, Regierungsmitglieder, die Lehrerschaft, die Grünen, Marktzweifler und Marktungläubigen kriegen ihr Fett ab!
Markus Somm kommentiert nicht – er schreibt Amok!

Der bisherige Höhepunkt seines Wirkens in Basel erreichte er am Tag nach der Bundesrat-Ersatzwahl.
Sein ideologisch reiner und unwillkommender Kommentar überzog zwei Drittel der Titelseite der BaZ – der Berichterstattung voran gestellt!!!
Irrwitzig auch seine psychologische Analyse von Hans-Rudolf Merz’ Bündnerfleisch-Lachanfall.
Markus Somm fand das – wahrscheinlich als einziger – nicht lustig!

Am 11. Oktober wurde in der Basler Zeitung grossräumig Christoph Blochers Geburtstag zelebriert: „Der Schweiz ward ein grosser Mann geboren“ oder so ähnlich.

Am Samstag, 13. November durfte Christoph Blocher eine Seite des Kulturteils der Basler Zeitung „gestalten“. Der Beitrag soll hier nicht gewürdigt werden.

Am Sonntag, dem 14. November veröffentlichte die NZZ einen Artikel, wonach Christoph Blocher, resp. dessen Beratungsfirma Robinvest, deren alleinige Verwaltungsräte Herr Blocher und seine Tochter sind, ein umfassendes „Beratungsmandat“ der Basler Zeitung erteilt wurde…

Die Leserschaft wütet in Online-Foren, mit Leserbriefen und Abo-Kündigungen.

Es wird eine Facebook-Gruppe „für eine neue Zeitung für Basel – ohne Tettamanti, Wagner, Somm und Blocher!“ gegründet, die bereits nach 24 Std. über 900 Mitglieder hat.
Dort wird kreativ über die Schaffung von Alternativen zur BaZ diskutiert.

Am Montag kommen die Redaktoren der BaZ unter Ausschluss der Chefredaktion zusammen und wenden sich nach einstimmigem Beschluss in einem offenen Brief an Verleger Wagner und an die Öffentlichkeit. Palastrevolution!
Unter anderem verlangen sie, dass auf weitere politische Einflussnahme zu verzichten und die Zusammenarbeit mit Somm zu überprüfen sei. Sie fürchten um ihre journalistische Glaubwürdigkeit. Das Image der Zeitung ist bereits schwer beschädigt. Eine Online-Petition www.rettet-basel.ch taucht auf.

Heute, Dienstagabend, präsentiert sich folgende Zwischenbilanz:

Die facebook-Gruppe hat mittlerweile 1776 Mitglieder.
Die rettet-basel-Petition wurde bereits von 7351 Leuten unterzeichnet, obwohl die Seite heute gehackt und stundenlang lahmgelegt wurde!
Die Buttons „Blocher-Zeitung – Nein, danke“ laufen wie warme Weggli!
Pro verkauftem Button geht ein Franken in einen Fonds zur Unterstützung von unabhängigen Medien.
Die Telefonistinnen der Basler Zeitung erleben einen Albtraum!

Onlinereports, Basellandschaftliche Zeitung, Radio Basel, Blick am Abend berichten über die Protestaktionen.

Basel kocht!